Sonntag, 22. Oktober 2017

... und schreib ein Buch!

Wer hier regelmäßig liest, weiß es ja: Ich pendle nicht mehr nach Brandenburg. Ein Jahr lang haben der Cantus Vitalis und ich versucht, so etwas wie einen Status Quo aufrecht zu erhalten, indem ich alle 2 Wochen die Tour Alfeld-Eberswalde absolviert habe, zuletzt noch mit eingeschobenen Proben des TU-Chores und des Ensemble LaFolie auf dem Hin- bzw. Rückweg, während in den Wochen dazwischen alle vier Stimmen selbständig geprobt haben. Es war für beide Seiten sehr anstrengend, hat allerdings auch wirklich neues Potential in uns allen eröffnet. Dennoch - auf Dauer war das kein Zustand für einen Chor und einen Dirigenten. Ich brauche Zeit, in meinem neuen Zuhause Wurzeln zu schlagen. Und ein guter Chor braucht einen präsenten Chorleiter, der auch mal spontan sein kann und nicht erst 400 Kilometer fahren muß.

Also haben wir uns verabschiedet. Und wie wir uns verabschiedet haben! Wir hatten drei wunderschöne Konzerte an drei aufeinanderfolgenden Tagen; zwei Wochen später noch ein inoffizielles Konzert zum Geburtstag der Mutter eines unserer Chormitglieder und schließlich eine erweiterte Sommerparty-mit-Verabschiedung.






Ich habe so unglaublich viele gute Wünsche mit auf den Weg bekommen, daß ich noch immer, drei Monate später, total gerührt davon bin. Sie haben mir Mendelssohns "Denn er hat seinen Engeln befohlen" gesungen, im Gegenzug haben unser Stimmbildner (der ebenfalls gerade weggezogen ist) und ich dem Chor ein Abschiedsständchen gebracht; ich habe jedem eine Blume und eine Postkarte geschenkt, vom Chor gab es für mich eine Luxus-Kaffeemühle, eine riesige Tasse und ein Poloshirt mit den Unterschriften aller Mitglieder, und darüberhinaus haben viele noch das Bedürfnis gehabt, mir etwas Persönliches von sich mitzugeben - eine Karte, ein Buch (ich finde Hermann Hesse ganz toll und in Paper blanks bin ich auch total verschossen!), eine Orchidee, ein paar Ampelmännchen-Büroklammern... und die mir ins Ohr geflüsterte Aufforderung "...und schreib ein Buch!" von einer bloglesenden Sängerin.
💖
Nun, das würde ich gerne, wenn ich ehrlich bin, aber meine Gedanken dazu sind noch sehr unausgegoren.





Im September waren schließlich an zwei Tagen die Vordirigate der Interessenten und ich konnte allen zusehen. Das war so unglaublich interessant! Eigentlich sollte man öfter mal den Dirigenten wechseln, nur um zu sehen, wie man als Chor dann dieselben Dinge aus einer anderen Richtung angeht und wie viele faszinierende Sichtweisen es auf ein und dasselbe Stück geben kann. 

Ich glaube, mein Chorkind, das nun erwachsen wird und sich abnabelt, hat eine sehr gute Entscheidung über meine Nachfolge getroffen. Und das ist, wenn ich ehrlich bin, das Ausschlaggebende, das ich zu meiner inneren Beruhigung gebraucht habe. Ich denke, es wird in den nächsten Wochen und Monaten holprig, unvorhergesehen, ungewohnt, unbequem, für den Cantus Vitalis ebenso wie für seine neue Dirigentin, und wenn sich alle neu zusammengerüttelt haben, wird es ganz fantastisch werden.

Kommentare:

CyKo hat gesagt…

Kaffeemühle :)

Anke Höing hat gesagt…

Kann nicht ohne. 😇