Sonntag, 5. März 2017

Polychorigamie

"Was", fragte mich Heidrun neulich erschrocken, "Du hast mehr als einen?!"
"Warum nicht?", erwiderte ich. "Wenn sie sich nicht total ähnlich sind, ist es doch interessant. Man muß halt nur aufpassen, daß sie einander nicht in die Quere kommen."
"Nein, also Ulli und ich hatten immer nur einen". (Ulli ist ihr Mann.) "Das macht man mit voller Hingabe und daneben hat dann nichts mehr Platz. Ich habe Leute nie verstanden, die mehrere hatten."

Heidrun ist Gesangslehrerin und ihr Mann, ein Pfarrer in Rente, hat seit 30 Jahren die Leitung der Singakademie Niedersachsen. Er leitet diesen Chor mit wirklich viel Hingabe und es gibt keinen Chor daneben - wie auch, wenn man Pfarrer ist, das ist ja weiß Gott (haha) zeitaufwendig genug.
Ich dagegen wohne jetzt seit einem guten halben Jahr in Niedersachsen, ohne meinen Eberswalder Chor aufgegeben zu haben, und leite auch hier einen ganz wundervollen neuen Chor. Die Proben überschneiden sich natürlich nicht und bei den Konzertterminen muß ich halt aufpassen.
Darüberhinaus korrepetiere ich in Heidruns eigenem Frauenkammerchor und springe gelegentlich in der Singakademie für Ulli ein. Ich bin polychorigam veranlagt.

Polychorigamie, die: bezeichnet die Duldung von gleichzeitigen chorleiterischen Beziehungen.

Dieses Wochenende hatte ich das große Vergnügen, ganz alleine mit der Singakademie Niedersachsen die Liebesliederwalzer von Brahms studieren zu dürfen, denn Ulli ist Bordseelsorger auf einem Kreuzfahrtschiff auf der anderen Seite der Welt. Hurrah! Brahms!


Und morgen wieder Ö-Chor. Hurrah! Jazz, Rock, Pop!
Und Dienstag Cantus Vitalis. Hurrah! Klassische Chormusik!

Ich stehe zu meiner Veranlagung.



Kommentare:

Cluheinke hat gesagt…

Pfarrer in Rente - das klingt komisch. Ich sage immer "Theologe-Dirigent-Journalist". Klingt besser und entspricht auch besser der Realität als Polyprofesdionalist.Und ich kenne bei mir dann auch einen Poly...Polydirgatismus. Neben der SingAkademie habe ich daß symphonischen Chorprojekt des Kultraum Kleonmachnow geleitet. Außerdem war ich Leiter der deutsch-russischen Musikwoche in Gelendzhik (Schwarzes Meer). Ich leitete den Kinder- und Jugendchor des Oblast Odinsovo. Komisch-überall war die beste Gattin Heidrun dabei und selbst sehr polychoristisch aktiv. Na, und ganz zu schweigen von den Orchesterkonzerten mit verschiedenen deutschen, tschechischen und italienischen Ensembles. Kurzum: ich bin ein Polytyp.

Anke Höing hat gesagt…

Willkommen zurück! :)
Vielleicht hat die beste Gattin nur einen inneren Schwerpunkt gesetzt? Ich bin auf jeden Fall sehr, sehr dankbar, daß ich für und mit Euch arbeiten darf.