Freitag, 10. Juli 2015

Sommeranfang, Autofahren, O-Ton der Woche

Ja, ja, stimmt schon, die Sommersonnenwende liegt bereits hinter uns, der Sommeranfang auch, aber für mich beginnt der Sommer eben erst, wenn die Ferien beginnen. Glücklicherweise beginnen die freien Wochen von Musikschule und Oper dieses Jahr fast gleichzeitig; es gab auch schon Jahre, in denen ich am Anfang der Schulferien noch wochenlang in die Oper mußte und am Ende der dortigen Spielzeitpause bereits wieder am Unterrichten war. Aber dieses Jahr ist richtig Urlaub.
Naja.
Eine Woche.
Danach mache ich im Rahmen einer evangelischen Familienfreizeit in Sachsen-Anhalt einen Musikkurs, und im August beginnen die Chorproben wieder und auch die ersten Orchesterproben, auf die ich schon sehr gespannt bin. Bisher ist die Besetzung der ersten Anmeldungen noch recht abenteuerlich, aber sie hat musikalisches Potential. :)

Mein wunderbarer Chor hat gesungen wie eine Bande Engel, als wir letztes Wochenende auf dem 4. Muldentaler Chorwettbewerb waren. Wir haben, obwohl es uns noch nicht einmal sechs Jahre gibt und wir bisher nur auf einem deutlich kleineren Wettbewerb waren, 21 Punkte und das Prädikat "sehr gut" bekommen, was ich nicht zu hoffen gewagt hatte. Aber da standen sie alle auf der Wettbewerbsbühne und strahlten mich an und auf einmal waren wir alle gar nicht mehr aufgeregt, sondern hatten einfach eine große Freude daran, zu singen und zu zeigen, wer wir sind. Es war von vorne bis hinten wunderschön dort in Sachsen.

Da ich jetzt auch wieder ein eigenes Autokennzeichen habe, fahre ich endlich wieder unbekümmert durch die Lande. Im Mai ist mir mein Kennzeichen gestohlen worden; wie der Polizist bei der Diebstahlsanzeige meinte, wohl wegen der frischen TÜV-Plakette. Das war unglaublich ärgerlich und zog Kosten und Bürokratiemist nach sich. Außerdem habe ich im Mai meinen Freund besucht, der recht weit entfernt wohnt. Ich habe, damit das schwarze Loch hinten am Hasimobil nicht so auffällt, von einem Freund ein gefaketes Pappkennzeichen ausgedruckt bekommen:


Anstelle der Europasterne hat er mir ein Häschen hingebastelt. Leider löste sich das Schild nach einem heftigen Regen auf und fiel ab, von mir unbemerkt. Nicht unbemerkt jedoch von den beiden sehr freundlichen Autobahnpolizisten, die mich nachts um eins von der Autobahn geleiteten, meine Personalien aufnahmen, prüften, ob das Kennzeichen wirklich gestohlen war, mich ermahnten, daß ich so nicht fahren dürfe und sich interessiert nach dem Hund erkundigten, dessen Konterfei meine Rückscheibe schmückt. Prinzesschen.


Als ich nach diesem Besuch wieder zurück war, noch immer kein neues und nicht einmal mehr ein gefälschtes vorübergehendes Kennzeichen hatte und zur Arbeit in die Oper fuhr, stoppte mich die Berliner Polizei an der Friedrichstraße. Diese beiden Polizisten waren durchtrainiert und trugen dicke gepolsterte Westen über ihren Uniformhemden, ermahnten mich, daß ich so nicht fahren dürfe, hielten sich aber sonst nicht weiter mit mir auf, denn ihr Alltag bot offenbar wenig Raum für derartig langweilige Fälle.

Hochinteressant fanden mich dagegen meine Mitmenschen im Straßenverkehr. Gleich am ersten Abend, als ich losfuhr, um den Diebstahl zu melden, steckte ein Fahrradfahrer an der roten Ampel seinen Kopf durch mein geöffnetes Beifahrerfenster (!) und informierte mich über das Fehlen meines Kennzeichens. "Ich weiß", knurrte ich so freundlich wie ich konnte, obwohl ich das Gefühl hatte, jemand dringt ungefragt in mein Wohnzimmer ein.
Dasselbe passierte noch einmal direkt vor der Polizei, an einer Ampel auf dem Weg zur Autobahn, auf dem Parkplatz der Musikschule, an einer Tankstelle, an einer weiteren Tankstelle und an einer Ampel mitten in der Stadt. Irgendwann ließ ich völlig angenervt die Fenster oben und die Augen stur geradeaus, sobald ich unter Schrittgeschwindigkeit fuhr. Aber oho, da hatte ich nicht mit den aufmerksamen Mitmenschen gerechnet. Sie klopften an mein Autofenster! Wenn böse Blicke Brötchen werfen könnten, hätte ich ganze Familien satt gemacht! Aus meinem erst geduldigen, später deutlich ungeduldigen mannigfach wiederholten "ich weiß" wurde irgendwann ein sarkastisches "oh mein Gott wirklich nein wie konnte das denn passieren", das allerdings völlig wirkungslos am betreffenden Scheibenklopfer abprallte, der nur selbstzufrieden lächelte.
Und jeder einzelne dieser Hinweisgeber war männlich und mindestens Mitte fünfzig. Was sagt mir das? Männer belehren Frauen? Alte belehren Junge? Alte Männer halten junge Frauen für derartig unfähig, ein Auto zu bedienen, daß sie einem nicht einmal zutrauen, zu merken, daß ein Kennzeichen fehlt?

Ich bin jedenfalls froh, wieder ein voll legalisiertes Bardenauto zu fahren.


Der O-Ton der Woche stammt von einer meiner Chorsängerinnen, die auf unserer Sommerparty, nachdem wir "Unsterblich duften die Linden" von Rudolf Mauersberger gesungen hatten, leise sagte:
"Das dürfen wir nicht vergessen: Der Sommer ist heute, und süß ist er."

Das Kaninchenorakel spricht ähnliches:

Laß die Sonne in Dein Herz!